Firmen-Websites mit WordPress: Häufigste Fehler

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Was dem Image schadet – und was Sie beachten solltenWordPress Logo

Aus professioneller Sicht bin ich natürlich absolut dagegen, dass Nicht-Profis ihre Websites selbst bauen. Aus pragmatischer Sicht stelle ich hier mal zusammen, was Selbstbauer besonders häufig falsch machen. Achtung: Dies ist kein Plädoyer dafür, dass Unternehmen auf professionelle Umsetzung verzichten sollen, bei der nämlich solche Probleme (hoffentlich) gar nicht erst auftauchen. Im Gegenteil! Aber auch nicht jeder Webdesigner kennt sich mit jedem System gut aus. Deswegen greife ich hier ganz pragmatisch Handlungsbedarf und Handlungsmöglichkeiten auf. Schließlich geht es hier um Praxistipps, von denen auch kleine Unternehmen profitieren sollen.

Selbstbau-Systeme haben einen großen Vorteil: Jeder Laie kann damit eine eigene Website erstellen, ohne dass ein professioneller Webdesigner daran beteiligt ist. Selbstbausysteme haben aber auch einen großen Nachteil, nämlich: Jeder Laie kann damit eine eigene Website erstellen, ohne dass ein professioneller Webdesigner daran beteiligt ist! WordPress ist ein System, mit dem auch professionelle Designer und Programmer arbeiten. Das unterscheidet WordPress von den landläufigen Baukästen, wie sie beispielsweise von Internet-Massenprovidern angeboten werden. Da WordPress aber so einfach einzusetzen ist, nutzen immer mehr Anwender es als Selbstbausystem. WordPress ist, kurz gesagt, ein kostenloses Content-Management-System, in dem vorgefertigte Designs – sogenannte Themes – verwendet werden. Die Software ist kostenlos, schnell installiert, komfortabel zu bedienen, und sie hat erhebliche eingebaute Vorteile, unter anderem für die Suchmaschinenoptimierung.

Was Kosten spart und selbst kleinsten Unternehmern eine eigene, leicht zu ändernde Präsenz im Netz ermöglicht, führt leider oft zu eher zweifelhaften Ergebnissen. Und es führt auch dazu, dass selbst solche Unternehmer, die es sich leisten können und gut daran täten, jemanden zu beauftragen, persönlich Hand anlegen. Ich bin immer wieder erstaunt, welche anspruchsvollen Dienstleister und selbst größeren Unternehmen auf eine professionelle Umsetzung verzichten und es erst einmal selbst probieren. Offensichtlich begeben sich aber auch immer mehr Agenturen an ein neues Feld, mit dem sie noch nicht so vertraut sind. Leider übersehen viele dabei oft entscheidende Details. Das ist schlecht für das Image und dient ganz sicher nicht den Unternehmens- und Kommunikationszielen. 

Es geht in diesem Thema um Image und Außenwirkung, nicht um Technik. Deswegen zeige ich die häufigsten Fehler aus PR-Sicht auf. Programmierer würden wahrscheinlich anderes hervorheben. Das Folgende beschreibt die Merkmale und zeigt Einstiege, um sich Weiteres zu erarbeiten – beziehungsweise es dringend mit dem Webdesigner zu besprechen! Es ist keine Anleitung für Einsteiger und auch kein ausführliches Tutorial. Technische Details spreche ich an, um aufzuzeigen, in welche Richtung Sie gehen sollten, um die sieben offensichtlichsten und häufigsten Fehler zu beseitigen.

Fehler Nr. 1: Keine Klarheit in der Form

WordPress ist eigentlich eine Software, um Blogs zu bauen, also ursprünglich Online-Tagebücher. Heutzutage haben Blogs sehr viele Gesichter, und sie heißen oft nicht mehr so: Es sind Magazine oder “News”, und auch immer mehr Firmenwebsites nutzen WordPress als Content-Management-System, um auf ihrer Website Inhalte zu pflegen, zu aktualisieren und zu ergänzen. Dennoch sollte sich eine Unternehmens-Präsenz deutlich von einem Blog unterscheiden. Und zwar ganz gleich, ob nun ein weitgehend gleichbleibender Inhalt auf der Startseite seht, oder ob aktuelle Meldungen den neuen Besucher begrüßen. Dieser Besucher muss sofort erkennen, wo er sich befindet, um wessen Präsenz es geht, was daran einzigartig ist und welches der Nutzen ist, der ihn hier erwartet. Eine Website, die sich eines Standard-Blogthemes bedient, wie sie tausendfach im Netz zu finden sind, leistet das nicht. Der erste Eindruck führt eher in die Irre. Mehr dazu im nächsten Absatz.

Fehler Nr. 2: Standard-Theme statt individueller Gestaltung

TwentyTen“, “Cutline” oder “Yoko” haben einiges gemeinsam: Sie sind sehr populäre, gratis erhältliche WordPress-Themes, die sich gut Blogs eignen, klar gegliedert sind und sich mit wenigen Handgriffen an individuelle Bedürfnisse anpassen lassen: Die Zahl der Sidebars ist wählbar, das Header-Bild kann man selbst hochladen, Menüs sind individuell konfigurierbar oder man kann die gewünschte Link-Farbe als Hexcode eingeben. Wer ein Blog schreibt, ist damit also bestens bedient. Aber für eine hochwertige Firmenpräsenz eignen sie sich nicht. Dazu hat jeder Besucher sie schon zu oft gesehen und assoziiert damit automatisch “Blog” und eben nicht “individuelles Design”.

Es muss ja für das kleine Budget nicht immer gleich die große Lösung sein, die von einer Agentur komplett neu gebaut ist. Aber für Unternehmens-Websites empfehle ich, entweder ein kostenfreies Theme auf das eigene Design anpassen zu lassen. Hier ist eine Übersicht.  Wenn man ein vorgegebenes Theme über die Möglichkeiten hinaus, die die Benutzeroberfläche bietet, verändert, sollte man daraus ein sogenanntes Child Theme erstellen. Denn Themes brauchen regelmäßige Updates, um mit der jeweils aktuellen WordPress-Version zu funktionieren. Und diese Änderungen würden sonst bei einem Update verloren gehen.

Noch besser ist es, ein Premium-Theme zu wählen. Diese kosten ab etwa 20 Euro (einmalig) und bieten viel mehr Möglichkeiten, frei zu gestalten und detailliert einzustellen. Auch hier hat WordPress selbst eine Übersicht, es gibt aber darüber hinaus sehr viele Anbieter. Doch Vorsicht: nicht jedes Theme ist gleich gut geeignet. Nicht alle haben sauberen Code. Manche sind zum Beispiel für den Einsatz in einem Hosting-Paket bei einem Massenhoster zu groß und laden deswegen zu langsam. Wer sichergehen will, fragt deswegen am besten doch einen Fachmann, ehe er ein Theme kauft. – Ich will hier übrigens keine Werbung für Kauf-Themes machen, aber eine solche kleine Investition sollte Ihnen Ihre Firmenpräsenz angesichts der vielen Vorteile schon wert sein.-

Fehler Nr. 3: Das Auge des Gestalters fehlt

Aber: Was Designer können, können nun einmal nur Designer. Das fängt bei geeigneten Schriftgrößen an, geht bei der Farb-Abstimmung weiter und hört bei der Positionierung der Bilder noch lange nicht auf. Selbst innerhalb eines vorgefertigten Themes sind noch jede Menge Anpassungsmöglichkeiten, und die entscheiden über den Gesamteindruck. Wer kein begabter Gestalter ist, lässt lieber die Finger von solchen Aufgaben. Gerade, wer selbst Hochwertiges zu anspruchsvollen Preisen verkaufen will, sollte nicht ausgerechnet an seiner Außendarstellung sparen.

Fehler Nr. 4: Die Farben passen nicht

Im Grunde gehört es zum vorigen Absatz, ist aber ein Detail, das besonders häufig zu beobachten ist: Die eingebauten Farben des Themes passen nicht zu denen des Corporate Design. Neulich habe ich eine Website gesehen, deren Haupt-Farbe blau war. Alle Hyperlinks im Text waren, vom Theme vorgegeben, ebenfalls blau – aber leider in einer Nuance, die knapp daneben lag. Das sieht nicht gut aus. In vielen Themes lassen sich solche Details einfach einstellen, zumal in Premium-Themes.

Fehler Nr. 5: Blog-Funktionen sind nicht entfernt

Kürzlich sah ich eine “Website” mit statischen, also auf Dauer angelegten Unterseiten, die so richtig etwas hermachen sollte. Leider standen nicht nur bei den Beiträgen auf der Blogseite das aktuelle Datum und der Autor. Sondern oben auf jeder einzelnen Seite fand sich der Vermerkt “By XY, April 10, 2009″ (XY steht hier für den Namen des Autors, den ich natürlich nicht nenne). Das hat natürlich dort überhaupt nichts zu suchen. Aber es kommt noch besser: Unten auf jeder Seite fand sich der Vermerk “Comments are closed”. Der Seiteninhaber hatte also schon begriffen, dass auf die einzelnen Seiten einer Unternehmens-Website keine Kommentare gehören. Das findet man aber auch oft: Websites, die Kommentare unter Seiten erlauben, zur Firmendarstellung gehören – sogar beispielsweise unter dem Impressum

Bei einigen WordPress-Themes führt das Deaktivieren der Kommentare zu einem entsprechenden, öffentlich sichtbaren Vermerk. Bei Premium-Themes ist das feiner einstellbar, auch beispielsweise, ob Autorenzeile und Datum auftauchen sollen.

Bei kostenfreien Themes kann man im WordPress-Backend, also in der Benutzeroberfläche für die Administratoren und Autoren, über Design > Editor die entsprechenden Passagen entfernen oder, noch besser “auskommentieren“. Dazu benutzt man meistens die Zeichen <!– und –>. Im Code herumschreiben sollte man aber nur, wenn man sich auskennt. Vorher unbedingt die Dateien sichern. Sie sehen also, die Angelegenheit kann schnell komplexer werden, und wenn Sie es dennoch weiter selbst machen wollen, müssen Sie sich erst einmal einarbeiten.

Auch Widgets (Kästchen, in der Regel in der Seitenleiste) wie das in vielen Blogs übliche “Meta”, mit dem man sich von der Startseite aus schnell einloggen kann, gehören nicht auf eine Unternehmenspräsenz. Sie sind über Design > Widgets schnell ausgebaut.

Fehler Nr. 6: Social Sharing auf Seiten

Streng genommen gehört dieser Punkt in den vorigen Absatz, verdient aber eine etwas nähere Betrachtung: Auf vielen Unternehmens-Websites findet man nämlich auf allen Unterseiten Buttons, um diese bei Facebook zu empfehlen, zu twittern oder bei Google+ zu verbreiten. Solche Möglichkeiten gehören über oder unter Blogbeiträge und nirgends sonst hin. Meistens sind hier einfach Plugins wie “Really simple Facebook Twitter share buttons” oder “Sociable for WordPress 3.0” falsch eingestellt. Hier kann man wählen, wo sie erscheinen wollen. Und Sie wollen doch ganz sicher nicht, dass jemand ausgerechnet Ihr Impressum weitertwittert, oder?

Vielleicht handelt es sich hier auch um eine Verwechslung. Wer sich im Web noch nicht so gut auskennt, kennt nicht den Unterschied zwischen Icons, die zum Account des Besuchers führen und ihm das Teilen erleichtern, und den Verlinkungen zu den Accounts des Seiteninhabers. Was Sie nämlich durchaus auf jede Seite Ihrer Website nehmen können, sind die Links zu Ihren Unternehmens-Präsenzen in Social Networks. Das könnte beispielsweise so aussehen wie die Icons hier rechts oben im Blog. Auf meiner Website sieht es recht ähnlich aus.

Fehler Nr. 7: Fehlende Übersetzung

Was für Blogs und nicht-kommerzielle Angebote tolerabel ist, ist für Unternehmens-Websites ein absolutes “No-go”: Sprachgemisch. Wenn Ihre Präsenz auf Deutsch ist, dann sollte sie nicht – wie bei dem Beispiel im vorigen Absatz – einzelne englische Begriffe und Befehle enthalten, vor allem nicht an prominenter Stelle. In diesem Fall kann schon ein einfaches Plugin helfen: Codestyling Localization. In Einzelfällen findet es nicht alle Begriffe. Dann müssen Sie sich doch im Code auf die Suche machen.

Haben Sie weitere Anmerkungen und Tipps zum Thema? Bitte schreiben Sie einen Kommentar!

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Die Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät Unternehmen in klassischer PR & Social Web.
Kontakt: Tel. 02151 970785; kontakt(at)kerstin-hoffmann.de; www.kerstin-hoffmann.de